Städtisches Bestattungswesen

Krematorium Meißen

Emil Paul Börner (1888-1970)

Ein Künstler des Weißen Goldes, ein Meister der Formgestaltung, Medailleur und Kunstmaler. Ein Mensch der das Porzellan erklingen ließ.

Emil Paul Börner ist in seiner Vielfältigkeit als einer der wohl am meisten herausgeforderten und in seiner Schaffenszeit geförderten Künstler zu bezeichnen.

Kaum ein anderer Künstler seiner Zeit, welcher ebenfalls für die Meissener Porzellan-Manufaktur arbeitete, erreichte nur annähernd diese schier unaufhaltsame Produktivität und Kreativität. Zu Unrecht vergessen die Kunsthistoriker der Gegenwart diesen begnadeten Meister der Porzellankunst zu erwähnen, welcher mit seiner fast unüberschaubaren Quantität des Schaffens, die sogenannte „Pfeifferzeit“ (1918-1933) mitgestaltete. Oft am Rande und dann nur, wenn es wirklich nicht anders geht, erwähnt man heute Börners Projekte. In neuzeitlichen Aufzeichnungen über sein Leben kann man immer wieder vom „problematischen Künstler Börner“ lesen.

Zeitgleich wird dabei versucht, sein Lebenswerk in die dunklen Schatten des Nationalsozialismus zu rücken und zum Beispiel, in seine Entwürfe für die beliebten Jahresplaketten, entsprechende Parallelen hineinzudichten. Belege dafür gibt es aber nicht. Auch das ominöse Ausscheiden des damaligen Generaldirektors Max Adolf Pfeiffer aus der Manufaktur Meißen, wird immer wieder zu Unrecht mit dem angeblichen Bestreben von Börner in Verbindung gebracht. Aber was hatte Börner damit wirklich zu tun, was ist in den Unterlagen der Porzellanmanufaktur Meißen noch erhalten und gibt es darüber nur annähernde Beweise? Wir wissen es nicht! Autoren, welche Anklagen und Verurteilen, bleiben entsprechende Belege schuldig. In dubio pro reo!

Die erste Idee, mich mit Emil Paul Börner zu beschäftigen, entstand bereits bei meiner umfangreichen Recherche über die Porzellanglockenspiele aus der Porzellan-Manufaktur Meißen. Es verblüffte mich immer wieder, wenn man zwar mit Stolz auf die sächsische Manufaktur zu sprechen kam, den Schöpfer des ersten stimm- und spielbaren Porzellanglockenspiels aus dem Jahre 1929 aber nicht kannte. Biografien oder Aufzeichnungen aus dem Leben von Börner sind knapp, ja fast nicht vorhanden. Viele stammen erst aus der Gegenwart, sind unvollständig und sind leider oft mit einer oberflächlichen Recherche verbunden.

Als ich die letzte Ruhestätte von Emil Paul Börner auf dem Alten Johannesfriedhof aufsuchen wollte, fand ich diese nicht sofort und wand mich mit meiner Frage an die zuständige Friedhofsverwaltung. Leider war dort der Name von Börner sowie dessen Grabstätte kein Begriff. Erst mit Hilfe des Krematoriums in Meißen konnte ich die Grabstätte von Emil Paul Börner und seiner Familie auf dem Friedhof auch finden. Was mich dabei ebenfalls überraschte war die Tatsache, dass Emil Paul Börner kein Ehrengrab der Stadt Meißen bekommen hatte.

Ein Künstler, dessen Kunstwerke mit dem Namen der Stadt Meißen seit vielen Jahren verschmolzen sind, wurde und wird bis heute nicht geehrt. Das war für mich dann ein letzter Punkt, der mich überzeugte, noch intensiver das Leben von Emil Paul Börner zu betrachten, um die Frage zu klären, warum wohl die Stadt Meißen diesen genialen Künstler fast vergessen hat. Man findet keine Hinweise zu Börner in den schönen Gassen von Meißen. Keine Straße trägt seinen Namen.

Biographie

Am 12. Februar 1888 wurde Börner im Hause seines Vaters Friedrich Emil Börner im Stadtteil Triebischtal, Hirschbergstraße 5 geboren. Sein Vater war Tischler und befasste sich auch mit dem Instrumentenbau, vorzugsweise Pianos (siehe Foto mit Eintrag Adressbuch Meißen von 1893). Später wird sein Vater die Werkstatt in eine Pianofortetischlerei umwandeln (siehe Foto mit Eintrag Adressbuch Meißen von 1900).

Sein zeichnerisches Talent entdeckte man schon während seiner Schulzeit. Nach Abschluss der Schule begann er eine Ausbildung als Porzellanmaler. Ob er selbst Porzellanmaler werden wollte ist unbekannt, doch reichten seine künstlerischen Fähigkeiten aus, um gleich von einer namhaften Firma, in der Nähe der Königlichen Porzellanmanufaktur Meißen, angenommen zu werden. In der Porzellanwerkstatt von Julius Pfohl wird Börner zum Porzellanmaler ausgebildet (siehe unten Foto mit Werbeanzeige der Firma Pfohl).

Nebenher nimmt Börner noch zusätzlichen Privatunterricht in einer Zeichenschule, die ein Figurenmaler aus der Königlichen Manufaktur betreibt. Hier erlernt er vor allem Motive aus der Natur künstlerisch umzusetzen. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Lehre in der Porzellanwerkstatt Pfohl geht er 1905 an die Kunstgewerbeschule Dresden, wechselt aber bereits ein Jahr später an die Königliche Kunstakademie und setzt dort seine Studien fort. Um seinen Aufenthalt und Ausbildungskosten zu finanzieren gibt Börner an einer privaten Zeichenschule in Dresden Unterricht.

Bei Sascha Schneider in Florenz

In Meißen lernt Börner den Bildhauer, Maler und Illustrator Sascha Schneider kennen, welcher auch in Meißen seit 1900 ein eigenes Atelier betreibt. Schneider ist vor allem durch seine eindrucksvollen Titelzeichnungen zu den Werken von Karl May bekannt geworden. Ihm folgt Börner im Jahre 1909 zu einem einjährigen Studienaufenthalt nach Florenz. In dieser Zeit hat sich Börner mit der dritten Dimension, der Räumlichkeit ausgiebig beschäftigen können. Er erwarb sich dabei Erfahrungen im Modellieren und konnte für sich die Liebe zur Plastik gewinnen. Zurück im sächsischen Meißen, bewirbt er sich an der Königlichen Porzellanmanufaktur als Maler.

An der Königlichen Porzellanmanufaktur Meißen

Im noch heute im Archiv der Manufaktur aufbewahrten Bewerbungsschreiben steht nach einem kurzen Lebenslauf:

„Da ich mich nunmehr weiter für die keramische Malerei beschäftigen möchte, so erlaube ich mir die ergebenste Bitte auszusprechen, mich für halbe Tage in der Abteilung für Malerei zu beschäftigen. Es würde mir von großem Werte sein, wenn ich mit meinen persönlichen Interessen für modernes Kunstgewerbe für moderne Staffagen arbeiten könnte.“ 2

Börner bewirbt sich erfolgreich und wird mit 22 Jahren, am 1. Dezember 1910 vorerst probeweise angestellt. Doch schon am 1. Juli 1911 bekommt er die erwünschte Festanstellung als „freischaffender Künstler“. Unter der Manufakturleitung von Paul Gesell obliegt es ihm nun neue Entwürfe für moderne, figürliche Dekore zu erarbeiten. In dieser schon sehr schaffensreichen Zeit gelingt es Börner seine Ideen wirksam einzubringen. Er engagiert sich besonders in der Porzellanplastik und es entsteht ein Speiseservice mit passendem Dekor. Für Aufsehen und Anerkennung sorgen auch die im Jahre 1911 geschaffene Papageienvase oder die filigrane Plastik „Spanische Tänzerin“. Sein Talent, nun endgültig erkannt, wird auch außerhalb der Manufaktur allmählich zum Begriff.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wird auch Börner zum Heeresdienst eingezogen. Sein künstlerischer Werdegang ist vorerst unterbrochen. Zwei Jahre Kriegsdienst an der Front beeinflussen Börners künstlerisches Empfinden sehr und seine Arbeiten werden nun auch zunehmend von einer expressiven Übersteigerung geprägt. Börner wirkt in dieser Zwischenkriegszeit gleichzeitig als Maler, Medailleur, Plastiker und Formgestalter.

Die Pfeifferzeit

Im Jahre 1918 wird der bisherige kaufmännische Direktor der Manufaktur Max Adolf Pfeiffer, ein begeisterter Förderer Börners, zum Generaldirektor ernannt. Fortan schmücken blaue, gekreuzte Kurschwerter mit einem darüber angebrachten Punkt die Produkte der Manufaktur. Noch heute ist das Symbol der „Pfeifferzeit“ an der südöstlichen Außenfassade der Manufaktur, auf zwei Bildern mit je 88 Porzellanfliesen, erlebbar.

Mit der Hilfe Pfeiffers wird Börner schnell zu einem der wichtigsten Künstler in der Meißner Porzellanmanufaktur. Bereits am 1. September 1923 wird Börner ein Meisteratelier, zunächst für fünf Jahre, übernehmen. Ab sofort standen ihm bei seinen künstlerischen Aufgaben talentierte Assistenten zur Seite, welche dabei auch von Börner ausgebildet wurden. Im Jahre 1924 erfolgte durch das Finanzministerium die Berufung zum Professor. Die damalige Fachpresse würdigte in dieser Zeit meist seine unzähligen Münz- und Medaillenentwürfe neben seinen Geschirr- und Gefäßkreationen. Sein plastisches Schaffen wurde noch oft übergangen. Doch sollte auch dieser Sektor seiner Arbeiten, bald für große Aufmerksamkeit und Anerkennung sorgen.

Kriegergedächtnisstätte in Meißen

Schon im Jahre 1921 begannen die Entwurfsarbeiten für die Umgestaltung der Nikolaikirche Meißen zur Kriegergedächtniskirche. Hier sollte für die vielen Opfer aus dem Kreis Meißen, welche der Erste Weltkrieg forderte, gedacht werden. Am 26. Mai 1929 erfolgte die Einweihung der in ihrer Art wohl einmaligen Gedenkstätte.

Ganze acht Jahre hatten die Assistenten und der Künstler an diesem Werk gearbeitet. Dabei wurden die Arbeiten durch massive finanzielle Probleme immer wieder verzögert. Drei Porzellanlotterien sollten die nötigen Mittel einspielen. Bemerkenswert waren dabei die dafür ausgegebenen Lose, welche in Form von Medaillen aus braunem Feinsteinzeug in der Manufaktur Meißen gefertigt wurden.

Die Entwürfe dazu lieferte ebenfalls Börner. Zur Ausstattung der Kriegergedächtnisstätte gehören die größten bis dahin hergestellten Porzellanfiguren nebst Epitaph-Gruppen mit 1794 Porzellantafeln, welche die einzelnen Sterbedaten tragen. Die Figuren wirken auf den Betrachter mit ihren treffenden Ausdrucksformen, welche ihnen von Börner gegeben wurden, unmittelbar und mit voller Härte. Sie sind geprägt von Trauer, Elend, Leid und Not. Dabei klagen sie auch gleichzeitig die gesamte Menschheit an. Der Flügelaltar wird ebenfalls von Börner gemalt und zeigt dabei eindrucksvoll die Schrecken des Krieges sowie den Neubeginn. Weitere Kirchenausstattungsgegenstände wie zwei Apostelleuchter für den Altartisch und einige Bodenvasen, werden ebenfalls von Börner geschaffen. Das Gesamtwerk sorgte für ein großes internationales Medienecho, zählt zu den bedeutendsten Werken Börners und gilt noch heute als eine keramtechnische Meisterleistung. Erwähnt soll an dieser Stelle auch die eindrucksvolle Gedenktafel für die gefallenen Mitarbeiter des Meißner Rathauses sein.

Porzellanglockenspiele und die Johannes- und Lukasglocke für den Dom

Die ersten Versuche ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan herzustellen unternahm im Jahre 1731 der Modelleur der Porzellanmanufaktur Meißen Johann Joachim Kändler. Das Ergebnis war nicht befriedigend, da die Glocken sich beim Brande verzogen hatten und weitere Probleme auftraten. Die damalige Glockenform, die Wandstärke sowie der Anschlagmechanismus waren noch nicht ausgereift und deshalb schwer beherrschbar, die Akustik des Spiels eher unbefriedigend. Im Hinblick auf die Jahrtausendfeier der Stadt Meißen im Jahre 1929 erhielt Börner vom Generaldirektor der Manufaktur Meißen, Max Adolf Pfeiffer, den Auftrag, die Versuche zur Herstellung von Porzellanglockenspielen wiederaufzunehmen.

Ziel war es ein derartiges Glockenspiel in den Turm der Frauenkirche in Meißen einzubauen. Wieder war es Börner gelungen ein Aufsehen erregendes Porzellanwerk zu schaffen. Porzellanglockenspiele aus der Manufaktur Meißen wurden nun für viele Städte des damaligen Deutschlands hergestellt und installiert. Als Beispiele seien hier die Porzellanglockenspiele in Dresden (Zwinger, 1933), Bremen (Böttcherstraße, 1934), Berlin (Dönhoffplatz, Lebensuhr, 1935), Görlitz, (Landeskrone, 1930) und Halberstadt, (Rathaus, 1939) genannt. Börner, einmal zu den Porzellanglockenspielen befragt, antwortete:

„Wir, die wir das Werk geschaffen haben, wünschen, daß seine Melodien sich von den Höhen neigen und gehört werden mögen, - das Menschenherz wieder zu schöpferischen Impulsen wachrufen, und wir die Stimme vernehmen, die uns hilft und erhebt, Höheres zu vollenden.“

Eine spezielle Verzierungsart an den einzelnen Porzellanglocken hat uns Börner unbewusst hinterlassen. Es handelt sich dabei um die verzierten „Schalllöcher“, welche die ersten Glocken von Börner noch alle hatten. Meist waren zwei Schalllöcher an jeder Glocke im oberen Bereich angebracht.

Später verzichtete man auf diese Löcher, weil sie dem Schall der Glocke kaum beeinflussten. Heute ist diese Besonderheit ein sicheres optisches Zeichen um ältere Porzellanglocken, die um 1929 gefertigt wurden, von später gefertigten zu unterscheiden.

Allerdings befasste sich der Künstler auch mit Glocken aus Metall. Nachdem der Dom in Meißen nach dem Ersten Weltkrieg nur noch zwei der einst vier Glocken von 1908 besaß, wollte man zur Tausendjahrfeier im Jahre 1929 wieder komplett sein. Börner bekam den Auftrag, entsprechende Entwürfe für den Glockenschmuck der fehlenden Johannes- und Lukasglocke zu liefern. Die Entwürfe waren überzeugend und wurden angenommen. Schicksalshaft ist dabei die weitere Geschichte der Johannesglocke.

Die Johannesglocke aus Bronzeguss im Meißner Dom gilt noch heute als eine der figurenreichsten Glocken der Welt. Sie wurde anlässlich der 1000-Jahr-Feier Meißens, im Jahre 1929 von Otto Schilling Söhne in Apolda gegossen. Dargestellt sind Szenen aus der Offenbarung, Christus als Weltenrichter und das Jüngste Gericht. Die Aufhängung, die Krone, ist aus vier Evangelisten Figuren zusammengesetzt, welche durch nicht bemerkte Fehler, im Jahre 1977 zum Absturz der 7.820 kg schweren Glocke führen sollte. Bereits 1941 wurde die Johannesglocke schon wieder abgenommen. Sie sollte damals für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden, doch dazu kam es Gott sei Dank nicht. Nach dem Kriege wurde die Glocke in Hamburg gefunden und kehrte wieder nach Meißen zurück. Nach dem Absturz von 1977 hatte man die Glocke behelfsmäßig und ohne Krone wieder aufgehangen. Nach einer aufwendigen Reparatur sind Johannes- und Lukasglocke seit dem 24. Dezember 2010 wieder zu hören.

Vasen, Dekore, Plaketten und immer wieder Münzen und Medaillen

Börner gelingt es immer wieder mit den bekannten, althergebrachten Techniken der Porzellankunst neues zu vollbringen. Stets danach bestrebt, auch in den wirtschaftlich schweren Jahren, welche durch Inflation geprägt sind, der Manufaktur Meißen die bekannte Qualitätstradition zu bewahren. Es entstehen eine Vielzahl von Gebrauchsformen, Ziergegenstände, Figuren und ein komplettes Service inklusiv Dekor. Seine sich an das 18. Jahrhundert anlehnenden Blumendekore sorgen erneut für Aufsehen. Das Spektrum der figürlichen Plastik reicht in dieser Zeit von puppenhaften, verspielten Figuren und Feinsteinzeugportraits. Börner wird bei seinen Arbeiten aber niemals das weite Feld der Tierplastik betreten.

Interessant sind auch die für treue Kunden sowie Sammler und Künstler limitierten und signierten Jahresplaketten der Manufaktur Meißen. Die erste Jahresplakette erschien zum Jahreswechsel 1918/19 und weitere erschienen dann jährlich bis Neujahr 1934. Für die Gestaltung verpflichtete Generaldirektor Pfeiffer sechs seiner erfolgreichsten Künstler. Von diesen insgesamt sechzehn Plaketten sollten allein sieben von Börner gestaltet werden.

Einige der Motive beziehen sich auf die in der Manufaktur gefertigten Gefäße und Vasen. Geschickt wurden sie in die Komposition der Plakette mit einbezogen. Doch auch die Rückseite war und ist von besonderem Interesse. Hier wurde die Nummer der Ausformung in die Porzellanmasse geritzt. Ausgeformt wurden dabei immer nur 100 Stück, die nach der Nummerierung, ab 1922 auch noch die Signatur des Künstlers trugen. Es wurden allerdings auch noch weitere motivgleiche Jahresplaketten ohne Nummer und Signatur an Kunden verschickt.

Die von Börner fast unzähligen, entworfenen Münzen, Medaillen und Plaketten bilden einen wichtigen Schwerpunkt im Schaffen des Künstlers. Mehr als über eintausend Entwürfe können dem Künstler zugeordnet werden. Sie wurden in braunem Feinsteinzeug oder weißen Biskuitporzellan umgesetzt, dabei experimentierte Börner auch mit anderen Materialfarben und liebte das Spiel mit verschiedenen Dekoren, die er gern bei Proben einsetzte. Börner wollte dem Kunden damit zeigen, was denn so alles mit dem Medium Porzellan möglich ist. Er konnte mit seinen Ideen die Menschen zeitgleich begeistern sowie verzaubern.

Dem entwerfenden Künstler Emil Paul Börner gelang es stets, die Münzen neben der obligatorischen Wert-, Jahres- und Herkunftsangabe, mit typischen Motiven von Produktionszweigen und ihren Produkten, historischen Bauwerken und regionalen Dingen, symbolhaft zu versehen. Das Schwerterzeichen auf jeder Münze verwies auf deren Herkunft aus der Meißener Porzellan-Manufaktur. Börner erwies sich als Meister der Reliefkunst, der auf kleinstem Raum eine künstlerische Aussage dekorativ umzusetzen vermochte. Wichtigstes Merkmal der Münzen aus der Stahlform sind ihre scharfen Ränder und Konturen. Die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchliche Reduziermaschine, die den Entwurf mechanisch in das gewünschte Format verkleinerte, lehnte Börner ab. Er schnitt seine Entwürfe in der anspruchsvollen Technik des Negativschnittes direkt in die Gipsform. Man entschied sich damals für das Böttgersteinzeug als Material für die Notmünzen und dieses nicht nur wegen der geringeren Schmutzanfälligkeit gegenüber dem weißen Biskuitporzellan. Eine große Rolle spielte bei der Entscheidung, die Unempfindlichkeit der Masse gegenüber Wasser, hervorragende hygienische Eigenschaften, sowie eine hohe Bruchfestigkeit.

Die Münzen haben eine leichte schüsselartige Vertiefung auf beiden Seiten, der Hauptteil der Masse befindet sich somit am Rand und stabilisiert ihn. Diese Besonderheit ermöglichte damit ein relativ hohes Relief. Gleichwertige Münzen konnten glatt aufeinandergelegt und in Rollen verpackt werden. Außerdem treten beim Böttgersteinzeug die Feinheiten der Binnenzeichnung deutlicher hervor. Auch das unterschiedliche Verhalten der Materialien beim Brand der Münzen spielte damals sicherlich eine große Rolle. Die Schwindung beim Brand hätte man beim weißen Biskuitporzellan mit 16 % berücksichtigen müssen, dagegen waren es beim Böttgersteinzeug nur 8 %.

Die Manufaktur Meißen war direkt im Auftrage des Sächsischen Staates, vertreten durch den Finanzminister, mit der Aufnahme der Geldherstellung beauftragt. Sie galt oder gilt allerdings bis heute nicht als Prägestätte in Sachsen oder wird als solche bezeichnet. Der Graveur Friedrich Wilhelm Hörnlein aus der Münze in Muldenhütten war für einige Zeit in die Manufaktur delegiert, um dort die notwendigen Stahlstempel vor Ort zu schneiden. Das sächsische Finanzministerium forderte mit der Vergabe des Staatsauftrags von der Manufaktur besondere Sicherheitsvorkehrungen für die neu gegründete Münzabteilung. Als 1921 neben dem Auftrag für Sachsen noch weitere Aufträge nun von Städten, Gemeinden und Firmen vorlagen, ergab sich die Notwendigkeit, mehrschichtig zu arbeiten.

Notgeldmünzen für Sachsen und Papiergeld

Zur Behebung des Mangels an Kleingeld wurde die Finanzhauptkasse ermächtigt, Geldersatzzeichen aus Meißner braunem Böttger-Steinzeug (Porzellan-Notgeld) bis zum Gesamtwert von 5 Millionen Mark auszugeben und durch staatliche Kassen ausgeben zu lassen, und zwar in Stücken zum Nennwerte von 20 Pfennig, 50 Pfennig, 1 Mark und 2 Mark. Mit der Verordnung des Finanzministeriums im Freistaat Sachsen vom 31. Dezember 1920 waren nur die Stücke mit der Jahreszahl 1921 als Geldersatzzeichen zugelassen. Alle Stücke mit der Jahreszahl 1920 sowie die Stücke von 5, 10 und 20 Mark mit der Jahreszahl 1920 und 1921 galten nicht als Geldersatzzeichen. Sie hatten lediglich Sammlerwert. Die Annahme als Ersatzwährung war mit der Verordnung bis zum 31. Dezember 1921 beschränkt. Einlösbar waren die Stücke bis 14. Januar 1922. Die Stücke waren kurz nach deren Ausgabe im Umlauf anzutreffen, sie kamen allerdings schnell in Sammlerhände und wurden dann nicht wieder in Umlauf gebracht.

Münzen aus Feinsteinzeug und Biskuitporzellan waren in dieser Zeit eine perfekte Alternative um dem herrschenden Mangel an Kleingeld und Münzmetallen entgegenzutreten. Es bestand sogar internationales Interesse am Porzellangeld. Für Guatemala wurden durch Börner Münzentwürfe gefertigt, welche dann auch zu Probeprägungen führten. Solche Proben sind heute begehrte Stücke mit stolzen Preisen, wenn sie dann überhaupt einmal angeboten werden.

Ein weiteres Betätigungsfeld Börners wurde die Gestaltung von Geldscheinen, bestimmt für den inneren Verkehr der Manufaktur in Zeiten der Hochinflation. Hier zog der Künstler alle Register seines grafischen Könnens. Heute sind solche Geldscheine eine Rarität, tragen sie doch alle die eigenhändige Unterschrift von Max Adolf Pfeiffer. Die Scheine sind nur einseitig bedruckt und sollten an die Angestellten der Manufaktur ausgegeben werden. Da der Wert des damaligen Geldes galoppierend, oft innerhalb weniger Stunden sank, wollte man den Angestellten wenigstens einen gewissen Wert in die Hände geben. Mit diesen Geldscheinen konnte man Produkte der Manufaktur, also Porzellan erwerben. Das Porzellan aus Meißen war ja weltweit beliebt und hatte seinen Wert behalten.

Mit dem Erwerb von Porzellan war den Angestellten die Möglichkeit gegeben, auf dem freien Markt dringend benötigte Lebensmittel zu tauschen oder zu erwerben. Diese Tatsache sprach sich sehr schnell herum und bald gab es einige Händler aus Meißen, welche diese Geldscheine auch direkt akzeptierten. Die Motive diese Scheine sprechen durch die Grafiken von Börner eine deutliche Sprache der damaligen Zeit.

Höhepunkt seines Schaffens

Bereits am 4. Januar 1924 hatte man Börner den Professorentitel verliehen. Ab 1. Oktober 1930 wurde Börner zum Direktor der Malerei- und Gestaltungsabteilung der Manufaktur Meißen berufen. Zwar hätte auf der einen Seite diese führende Position in Börners künstlerischem Leben eine nochmalige Erweiterung seiner Möglichkeiten bringen können, allerdings war diese Tätigkeit auch gespickt von Bürokratie. Börner war Künstler, aber kein Mensch der für den Schreibtisch geboren war. Seine so geliebte eigenschöpferische Arbeit kam mehr als zu kurz. Die Deutsche Keramische Gesellschaft ehrt Börner im Jahre 1930 mit der Böttger-Denkmünze für sein bisheriges künstlerisches Schaffen.

In diese Zeit fällt auch die heute leider sehr legendär und abenteuerlich geschilderte Entlassung des Generaldirektors der Manufaktur Meißen, Max Adolf Pfeiffer. Immer wieder wird Börner dabei direkt mit in das Geschehen als Schuldiger hineingezogen, obwohl es hier an unumstößlichen Fakten fehlt. Moderne Autoren verurteilen ihn zwar, räumen aber selbst gleichzeitig ein, dass es dafür keine Belege gibt. Was war geschehen und was ist belegbar? Fakt ist, dass die Nationalsozialisten in Deutschland, somit auch in Sachsen, das Sagen hatten. Generaldirektor Pfeiffer und auch Börner waren damals beide Staatsbeamte, welche dort eingesetzt werden konnten, wo man sie gerade brauchte. Einen Anspruch auf ein Tätigkeitsfeld in der Manufaktur Meißen, hatten demnach beide nicht. Fakt ist auch, dass Börner seit 1933 Mitglied der NSDAP war, doch reicht alleine diese Tatsache aus für eine Verurteilung?

Man muss, um die Zusammenhänge genauer zu betrachten, das Rad der Geschichte noch einige Jahre zurückdrehen. Bereits 1929 sollte Pfeiffer, nach Willen der Regierung, die Stelle des Direktors an der Berliner Porzellan-Manufaktur (KPM) übernehmen, die Presse war diesbezüglich von entsprechenden Meldungen voll. Sogar die Sächsische Regierung hatte dazu schon grünes Licht signalisiert! Allerdings leistete schon damals Pfeiffer Widerstand und lehnte einfach ab. Eventuell brachte das schon anfängliche Verstimmungen in der Regierung. Freunde hat sich Pfeiffer mit seiner damaligen Entscheidung wohl nicht gemacht, denn vier Jahre später endet alles mit seiner Entlassung.

Am 15. März 1933 wird Pfeiffer vorerst als Generaldirektor der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, auf Weisung des Reichskommisars für Sachsen von seinem Amt beurlaubt. Börner wird gleichzeitig, vermutlich ohne sein vorheriges Wissen, zum kommissarischen Vertreter bestimmt. Börner war ebenfalls Beamter, was sollte er gegen diese Bestimmung auch tun? Börner wurde aber damals nur wenige Stunden auf dem Direktorenstuhl belassen, denn schon am folgenden Tag, also am 16. März 1933 erfolgte die Rücknahme der Verfügung und Pfeiffer leitete wieder die Manufaktur bis Mai weiter. Ab 20. Mai 1933 entschied das Finanzministerium in Dresden, dass ab sofort der bisherige kaufmännische Direktor Lentner bis auf Weiteres die Leitung der Manufaktur übernimmt. Pfeiffer galt wieder als beurlaubt. Diese zweite Beurlaubung Pfeiffers währte bis März 1934 und am 31. März 1934 erfolgte seine Entlassung. Im Jahre 1938 übernimmt Pfeiffer schließlich doch die Direktion der KPM, wird ebenfalls Mitglied der NSDAP und geht nach Berlin. Hier bleibt er bis 1946 Direktor der KPM. Wie ging es in der Manufaktur Meißen weiter?

Am 14. August 1933 wurde die Leitung der Manufaktur für knapp zwei Jahre an Wendelin Schmotz übergeben. In den folgenden Jahren sollten die Direktoren noch mehrfach wechseln. Max Adolf Pfeiffer übernahm schließlich, wenn sicherlich auch nicht aus freien Stücken, im Jahre 1938 dann doch die Berliner Porzellan-Manufaktur. In dieser Zeit hatte Börner aber schon die Manufaktur Meißen selbst verlassen. Ob das ganze Geschehen um Pfeiffers Beurlaubung und die spätere Entlassung sowie sein Gang nach Berlin politisch motiviert war, ist zwar anzunehmen und durchaus möglich, allerdings fehlen die Beweise für solch eine Annahme. Die von Börner und Pfeiffer überlieferten Aussagen zum Thema, werfen allerdings kein großes Licht in die Angelegenheit.

Börner konnte auch nach der Entlassung Pfeiffers keine feste Basis für weitere Projekte in der Manufaktur finden, er war unzufrieden und zog sich mehr und mehr zurück.

Krematorium Meißen

Abwechslung suchte und fand Börner bei der Ausgestaltung der Feierhalle des im Bau befindlichen Krematoriums in Meißen. Am 1. November 1930 hatte man bereits den Grundstein gelegt und im Oktober des darauffolgenden Jahres konnte man den Bau übergeben. In den Folgejahren hat man dann die Innenausgestaltung der Feierhalle nach und nach ergänzt. Im Jahre 1932 wurde von Börner ein Porzellanglockengeläut mit vorerst vier Glocken eingebaut. Später hat man die Glocken auf sechs erweitert. Die Spielmechanik lieferte dazu die Uhren-Fabrik Bernhard Zachariä aus Leipzig. Glockenspiel und Mechanik sind auch noch heute im Betrieb.

Bei der Ausgestaltung des Krematoriums zeigte Börner seine einzigartige Vielseitigkeit im Umgang mit den verschiedensten Materialien. Eine heute leider nicht mehr erhaltene Ausmalung der Feierhalle, schuf nach Entwürfen Börners der bekannte Dresdner Kirchenmaler Max Helas. Börner war oft vor Ort und arbeitete selbst an den Malereien mit. Oberhalb der Katafalknische gab es ursprünglich eine Malerei von Börner. Zwei Engel wiesen mit ausgestreckten Armen von oben auf den Aufbahrungsplatz hin. Auch diese Malerei ist nicht erhalten geblieben. Ein noch heute erlebbares italienisches Steinmosaik wird Max Helas im Jahre 1936, in der Parentationshalle, nach Entwürfen von Börner gestalten.

Doch Börner engagiert sich noch mehr für den Schmuck der Feierhalle und entwirft die farbigen Darstellungen der Glasfenster. Ein dreiteiliges Ziergitter ist zur Empore des dahinterliegenden Chorraums angebracht. Das eindrucksvolle Muster, findet der Betrachter auch in den hohen Glasfenstern, den Verkleidungen der Heizkörper sowie den beiden Türknöpfen am Eingang zur Halle wieder. Die großen dunkelroten Tonvasen, welche Börner in den Teichert-Werken herstellen lässt, zieren den Eingangsbereich. Vollständig mit braunroten Keramikfliesen ist der Aufbahrungsraum ausgekleidet. Einzelne Fliesen sind mit Sprüchen über Tod, Auferstehung und Andacht versehen. Die gewählte Schriftart nebst Symbolen erinnern immer wieder an die vielen Inschriften auf Münzen und Medaillen, die der Künstler schuf.

Im Außenbereich ist eine Skulptur von Börner am Portikus der Halle angebracht. Wiederum ein Werk, dass nicht in der Porzellanmanufaktur, sondern in den Teichert-Werken hergestellt wurde. Die Figurengruppe stellt die Trennung der unsterblichen Seele von der sterblichen Körperhülle dar. Ursprünglich gab es von der Skulptur noch eine kleinere Ausführung von Börner in Biskuitporzellan, welche sich im Hinterbliebenenraum des Krematoriums befand. Leider ist dieses Werk in den Jahren 1944 bis 1954 verschwunden. Der Aufruf über dem Verbleib der Pieta im Jahre 2016, in verschiedenen Zeitschriften, blieb bisher ohne Ergebnis. Eine weitere schöne Arbeit Börners befindet sich oberhalb der zweiteiligen kassettierten Eingangstür. Hier befindet sich ein großes Medaillon mit Phönix.

Es ist schon mehr als offensichtlich, wie sich in dieser Zeit der Künstler immer weiter weg von der Manufaktur Meißen bewegte, neue Aufgaben suchte, andere Wege beschritt und sich dabei immer wieder selbst herausforderte. Börner liebte die Arbeit und war sich dabei für alle Arbeiten gut genug.

Mit Liebe begann er ein Fotoalbum über den Bau und die Ausgestaltung des Krematoriums in Meißen anzulegen. Jedes Foto wurde dabei von ihm mit der passenden Bildunterschrift versehen und eingeklebt. Die Bildunterschrift zum Foto mit dem Porzellanglockengeläut hat er zusätzlich noch „Geschwertert“, wie es im Fachjargon der Manufakturisten aus Meißen heißt. Das Fotoalbum wurde dem damaligen Leiter des Krematoriums von Börner übergeben, blieb erhalten und befindet sich im Archiv vom Krematorium Meißen.

Börners kurze Lehrtätigkeiten in Dresden

Börner verlässt im Jahre 1937 die Manufaktur Meißen, einige Quellen sprechen auch von einer Versetzung. Am 1. April 1937 erhielt er eine Professur an der Dresdner Akademie für Kunstgewerbe. Hier fand er vorerst ein neues Tätigkeitsfeld, bis er dann ab 1942 noch zusätzlich eine Lehrtätigkeit an der Staatlichen Kunsthochschule Dresden annahm. Nebenher arbeitet er nun als freischaffender Künstler. In seinem Wohnhaus in Meißen, Kaiserstraße 16, unterhält er ein kleines Atelier. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wird Börner kein größeres Projekt mehr beginnen. Er ist offenbar mit seiner Lehrtätigkeit ausgelastet, hält sich aber auch gleichzeitig aus allen politischen Aktivitäten heraus. Mit der Bombardierung Dresdens im Februar 1945, die mit unzähligen Opfern und sinnloser Zerstörung in die Geschichte eingehen sollte, war ein Unterricht an Akademie und Kunsthochschule nicht mehr möglich. Börner ist nun 57 Jahre alt. Er widmet sich, soweit es geht, nur noch der Arbeit als freischaffender Künstler.

Ein neuer Anfang

Am Anfang der 50er Jahre kommt es erneut zum Kontakt mit der Manufaktur Meißen und dem Porzellan. Aber auch zur KPM in Berlin pflegt Börner Kontakt und bekommt dort Aufträge für den Entwurf von mehreren kleinformatigen Figuren. Noch immer sind diese Figuren zartgliedrig modelliert und tragen mit ihren pausbackigen Köpfen, noch immer die altbekannte Handschrift des Künstlers. Weiterhin liefert Börner in dieser Zeit die Entwürfe der beiden Denkmäler für Ernst Thälmann und August Bebel in Neusörnewitz bei Coswig, welche auch umgesetzt wurden. Noch heute stehen die beiden Gedenksteine aus rotem Granit, mit den beiden medaillonartigen Bildnissen dort. Der Künstler lebt noch immer im gleichem Wohnhaus des Meißner Stadtteils Cölln, nur die ehemalige Kaiserstraße wurde nach dem Krieg in Kurt-Hein-Straße umbenannt.

Im Jahre 1956 beschließt der Stadtrat zu Meißen die Herstellung eines Denkmalsockels auf dem später die bereits vorhandene Bronzebüste von Friedrich Samuel Hahnemann platziert werden soll. Börner bekommt den Auftrag einen Entwurf für den Sockel zu liefern. Aus Kostengründen wurde allerdings der einst von Börner geplante Unter- und Zwischensockel nicht ausgeführt. Börner entschied sich daher für einen schlichten Obelisken aus rotem Meißner Granit. Der Künstler wird auch mit der Bauleitung bei der Aufstellung des Denkmals beauftragt. Am 5. Februar 1957 waren die Arbeiten beendet. Das Hahnemann Denkmal steht im Park hinter der Nikolaikirche (Kriegergedächtnisstätte) und kann ganzjährig besucht werden.

Obwohl der Künstler wieder aktuell war und man ihn mit Aufträgen bedachte, wird Börner nie wieder an seine von Schaffenskraft geprägte Lebensepoche, der Pfeifferzeit, anknüpfen können. Eine neue Künstlergeneration mit eigenen Ideen war herangereift und schrieb bereits an der eigenen Erfolgsgeschichte. Namen wie Peter Strang, Heinz Werner oder Ludwig Zepner, werden ebenfalls die Zukunft der Keramik mitbestimmen.

Wie schon erwähnt reißen die Kontakte zur Manufaktur Meißen nie vollständig ab. Als sich das 250. Jubiläum der Manufaktur im Jahre 1960 nähert, gehört auch Börner mit zu den Künstlern, welche Entwürfe für eine Jubiläums-Kollektion liefern sollen. Börner legt darauf Entwürfe für einen Geschirrkomplex, einige Vasen, Medaillen und Plaketten vor und erhält wiederum Anerkennung. Auch in den zahlreichen Publikationen zur 250-Jahr-Feier, welche die Porzellanmanufaktur Meißen herausgibt, findet Börner immer wieder Lob und wird öfters anerkennend benannt. Zwei Thüringer Porzellanmanufakturen werden zum Ende der 60er Jahre noch mehrere Figurenmodelle vom Künstler ankaufen um sie in ihre Kollektion aufzunehmen. Noch immer sind diese Figuren heute ein fester Bestandteil der Kollektionen der Wallendorfer Manufaktur und der Aeltesten Volkstedter Manufaktur in Thüringen.

Für zwei geplante Gedenksteine in Neusörnewitz bei Coswig, welche Ernst Thälmann und August Bebel gewidmet sind, bekommt Börner den Auftrag, die jeweiligen Portrait-Medaillons zu entwerfen. Beide Denkmäler werden in Granit ausgeführt und gehören mit zu den letzten Auftragswerken, die Börner annimmt und gestalten wird.

Danach wird es plötzlich still um den Künstler. Er zieht sich völlig in sein Privatleben zurück. Heute liest und hört man nur einmal kurz am Rande von Emil Paul Börner. Zu Unrecht! Hat uns Börner nicht gezeigt, was der Kunst geweihte Menschenhände so alles vollbringen können? Bleiben nicht tausende Menschen in Deutschland, Europa und in Asien stehen und halten für Minuten inne, wenn ein Porzellanglockenspiel ertönt? Hat Börner nicht dem Porzellan endlich eine wohlklingende Stimme geschenkt und haben seine Medaillen und Figuren nicht unzählige Augen entzückt? Haben wir den Künstler Börner jemals richtig verstanden?

Prof. Börner verstarb am 7. November 1970 in Meißen und wurde unter der Einäscherungsnummer 46395 im Krematorium Meißen eingeäschert. Die Ruhestätte der Familie Börner befindet sich auf dem Alten Johannesfriedhof in Meißen. Wie es die Ausführung von Grabstein sowie den einzelnen Grabplatten vermuten lässt, wurde die Gestaltung schon zu Lebzeiten von Börner vorbereitet. Der große Universalkünstler hinterlässt der Welt noch folgende Grabsteininschrift:

DER HERR ER ZÖGERT NICHT ER FÜHRT UNS EWIG IN SEIN LICHT

Mein besonderer Dank gilt dem Team vom Krematorium Meißen und der Kirchgemeinde St. Afra in Meißen, ohne deren umfangreiche Hilfe die nun vorliegende Biographie nicht möglich gewesen wäre.

Reiner Graff / numiscontrol