Städtisches Bestattungswesen Meißen - Krematorium Meißen
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Erlebnisse in der Unterwelt und Fragen an die Oberwelt

Friedhofsjunge

Still und geheimnisvoll liegt ein großer Keller unter dem Krematorium. Dunkel belegte Ziegel bilden sein Gewölbe und ein sieben mal sieben Schritte langer Gang führt dorthin. Es herrscht scheinbar ewige Ruhe und die dicken Kellerwände sorgen für angenehme Kühle. Nur manchmal im Winter steigt weißer Nebel aus einem Schacht nahe der Leichenhalle. Es scheint, dass der Tod hier seit Urzeiten eine Bleibe hat.

Ein längst vergessener jüdischer Friedhof soll vor den Toren der Stadt gewesen sein. Der alte und geheimnisvolle Sankt-Afra-Friedhof liegt in der Nähe, selbst der Galgenberg ist von hier aus zu sehen. Vor nicht allzu langer Zeit wurden an diesem Platz, zu dem sich selbst die von Trauer beseelten Menschen hingezogen fühlen, der Friedhof der Frauenkirche (Stadtfriedhof) eingerichtet und das Krematorium erbaut.

Steigen sie in das Gewölbe hinab, sehen die meisten Menschen nur einen leeren Keller. Denen jedoch, die sich nicht fürchten, zeigt sich der Gevatter Tod. Es geschieht immer das Gleiche: Der Raum ist voller Kerzen. Ein schmaler Gang führt über den Lehmfußboden zu einem Tisch mit zwei Lehnstühlen. In einem davon sitzt der Tod selbst in seiner schwarzen Kutte und bittet mit seiner ruhigen, gerechten Art den Gast, Platz zu nehmen. Manchmal sieht man Kerzen erlöschen und bisweilen entflammen neue. Es ist das Licht des Lebens. Diejenigen Besucher, die schon öfter hier Platz genommen haben, wissen, dass jedes Mal, wenn eine Flamme erlischt, ein Leben seinen Abschluss gefunden hat. Neues Leben lässt neue Kerzen aufleuchten. Den Tod stört es nicht, dass die Kerzen im Vergleich zu früher länger geworden sind. Die moderne Zeit hat gute Wissenschaftler und Ärzte hervorgebracht, die ihr Handwerk verstehen. Doch eines Tages wird jede Flamme vergehen.

Wer häufig hierher kommt, sucht nach den Kerzen, die schon seit Jahren flackern, wo die Menschen sterben wollen, es aber nicht können. Einmal wurde dem Gevatter Tod die Frage gestellt, warum er sich nicht erbarmt und das Licht löscht. Da schüttelte er sein Haupt und meinte, dass jede Flamme von allein ausgehen müsse. Erst dann sei der Mensch von seinem Leiden befreit. Er verstehe es nicht, warum uns verboten wird, über das Lebensende selbstbewusst zu entscheiden, wenn gleichzeitig Menschen in Kriegen getötet werden. Die vielen flackernden Lebenslichter machen ihn traurig. Jedes Jahr, wenn die Tage kürzer werden, ist es für mich an der Zeit, die sieben mal sieben Schritte in die Unterwelt zu gehen. So sah ich diesmal in der Nähe des Tisches ein Licht, von dem auffällig viel Wachs herabtropfte. Mein Gastgeber erahnte meine Frage: Jeder Tropfen stellte eine Träne und ein Leid im Leben dar. Er erzählte mir, dass dieses Licht zu einer Mutter gehört, die schon lange allein lebt. Ihr Mann hatte sie verlassen, als sie noch jung war. Sie zog ihre Kinder allein auf und verzichtete wegen ihnen auf eine neue Beziehung. Sie hatte ihre Kinder und Enkel seit Jahren nicht mehr gesehen und auch zu Weihnachten erreichten sie keine Karte und kein Besuch. Während ich zuhörte und dabei die Kerze betrachtete, hatte ich den Eindruck, dass die Wachsreste sich zum Docht hin neigten und drohten, die Flamme langsam zu ersticken. In Gedanken hörte ich schon die Worte der Angehörigen: Die schnellste und billigste Bestattung sollte es werden und nichts weiter dazu. Die Mutter hätte es so gewollt … Sicherlich werden genau diese Wünsche erfüllt - aber die Mutter wurde nie gefragt. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt.

Schweigend gingen wir weiter. Das nächste, allerdings nur noch kurze, Lebenslicht dieser Art stand nicht weit entfernt. Ein älterer Herr hatte alle seine Kinder durch Scheidung verloren und keinen Kontakt mehr zu ihnen. Immer wieder wollte er eine Verbindung knüpfen, doch er blieb ohne Erfolg. Jetzt stand sein Lebensende unmittelbar bevor. Der Tod las meine Gedanken von den Augen ab: Die Kinder werden sich weigern, die Bestattung zu veranlassen, obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet sind. Durchgesetzt wurde dieses Gesetz bis jetzt immer - doch übrig blieb der Hass.
Nur wenige Schritte entfernt brannten wunderschöne Kerzen mit ruhiger Flamme in großer Zahl. An dieser friedlichen Stelle trafen sich unsere Blicke. Mein Begleiter nickte mir freundlich zu. Wir kehrten an den Tisch zurück, jeder erzählte aus seiner Welt und staunte über die Welt des anderen.

Offen blieb für meinen Gastgeber, wieso Hass, Krieg, Unvernunft, Neid und Gier über den Tod hinaus Früchte tragen. In unserer modernen Welt da oben hätten wir doch alle Möglichkeiten, das Böse zu besiegen!? Ich konnte ihm keine Antwort geben. Doch mir schien es einen Weg dorthin zu geben, wenn man bereit ist, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun. Manches Lebenslicht ist dadurch wieder gerade geworden und kann nun ruhig niederbrennen. Schließlich war es Zeit für den Abschied und ich versprach dem Gevatter Tod, seine Fragen in die Welt der Lebenden mitzunehmen. Also ging ich die sieben mal sieben Schritte in die Oberwelt zurück. Welche wohl meine Kerze ist, weiß ich bis heute nicht. Aber ich hoffe, dass sie lang und gerade ist und in hellem Licht erstrahlt ...

 
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